Ich weiß, ich bin damit mindestens eine woche zu spät dran

, aber ich war leider verhindert. Trotzdem, lieber zu spät als gar nicht: Hier ein paar berichte und kritiken von den aufschneidern (mit o. baier) aus kurier und presse:
Artikel vom 17.04.2010 15:14 | KURIER | Dietmar Pribil:
http://kurier.at/interaktiv/kommentare/1994812.phpIm Bild: Die Ausstrahlung "Aufschneider" mit Josef Hader muss man eigentlich nicht zum Strahlen bringen - das Werk strahlt auch für sich allein. Am Freitag wurde vom ORF der zweite und letzte Teil von "Aufschneider" zur Ausstrahlung gebracht. Ein Werk, das man eigentlich nicht zum Strahlen bringen muss - es strahlt auch für sich allein.
Zwar schließe ich mich den schon Hype-artigen Lobgesängen über Teil 1 nicht unwidersprochen an - die dramaturgische Qualität hinkte jener des Schauspiels doch sichtlich hinterher.
ABER: Angesichts der finalen 90 Minuten, in denen schwarzer Humor und Screwball Comedy gekonnt gekreuzt wurden, müsste an dieser Stelle ein Feuerwerk an Superlativen abgefeuert werden.
Sagen wir es in Zeiten, da mit Hoch-, Höher- und Höchststufen nur so herumgeschmissen wird, jedoch einmal schlicht und dennoch nicht weniger ergreifend:
Ein Meisterwerk.
Und ein strahlendes Beispiel dafür, dass nicht jeder Film, der die Massen unterhält und begeistert, aussehen muss wie jene hingerotzten Liebesschmonzetten, die im deutschsprachigen Fernsehen praktisch im Dauerlauf zum Einsatz kommen.
Es keimt eine Hoffnung auf, die sich zu einer Forderung auswachsen sollte: Wir Fernsehzuseher wünschen mehr von dieser Art. Aber bitte rasch!
Doris Knecht, 11.04.2010, 18:00:
http://kurier.at/interaktiv/blog/knecht/1993336.phpWenn Hader "ha" sagt Der "Aufschneider" im ORF - auch mit den heimischen Produktionsbedingungen ist gutes, intelligentes und lustiges Fernsehen möglich. Wenn, sagen wir, Hansi Hinterseer "ha" sagt (etwa im Kontext von: "Isch des nit bärig, ha!?") dann heischt dieses "ha" nach kollektiver Zustimmung.
Wenn Josef Hader "ha" sagt, dann das Gegenteil. Dann liegt in diesem "ha" das ganze Spektrum von Angezipftheit und grollendem Grant. In der im ORF morgen und am Freitag gezeigten Serie "Aufschneider" sagt Hader ein paar Mal "ha". Was der überschaubaren Frustrationstoleranz seines Charakters entspricht, des Pathologen Fuhrmann, der uferlos im Clinch liegt: mit dem Grad des Ansehens, das ein Krankenhaus für Pathologen vorgesehen hat, mit der Ex-Frau, mit dem neuen Assistenten und mit dem Chirurgen Böck, den er unbedingt eines Kunstfehlers überführen will. Allerdings liefert das Leben Fuhrmann noch weitere Anlässe zu angespeistens "ha"s, und davon handelt der "Aufschneider".
Und er handelt davon, wie Fernsehen sein kann. Ihre Autorin hat eben die letzte Staffel der "Sopranos" am Stück gesehen und ist nun entsprechend aufgewühlt und qualitätsverwöhnt. Und auch wenn der "Aufschneider", nona, nicht die "Sopranos" ist und sein kann, vermittelt er doch eine sehr anschauliche, überzeugende Idee davon, dass auch mit den heimischen Produktionsbedingungen (und mit der einen oder anderen Konzession an das hiesige 20.15-Uhr-Publikum) gutes, intelligentes und lustiges Fernsehen möglich ist. Man muss halt die guten, intelligenten Leute - diesfalls David Schalko, Hader und ein exzeptionelles Schauspieler-Ensemble - ran- und machen lassen.
Was beim ",Aufschneider" geschah. Das Ergebnis sollte dem ORF Anlass genug sein, dieses Konzept entschieden weiterzuverfolgen, ha!? Und zwar "ha" im hinterseerschen Sinn.
http://kurier.at/kultur/1994168.phpDas Hader-zentrische WeltbildORF-Zweiteiler: 798.000 sahen den ersten Teil von "Aufschneider" - ein Erfolg, den Oliver Baier der "Sonne" Josef Hader zuschreibt.
Kollegen: Oliver Baier und Josef Hader im zweiten Teil von „Aufschneider“Oliver Baier sitzt im Bregenzer Theater-Café und genießt den Erfolg. Eine Frau, die zwei Tische weiter sitzt, hat ihn gerade angesprochen und zu seiner Rolle in "Aufschneider" gratuliert. Seit der Ausstrahlung am Vorabend sind zahlreiche Glückwunsch-SMS eingelangt. "Das ist einfach ein sehr schönes Gefühl für einen Menschen, der jahrelang darunter gelitten hat, dass er als Radio-Clown gesehen wird."
Über die Qualität des neuen Fernseh-Zweiteilers von Josef Hader und David Schalko, dessen 2. Teil am Freitag (20.15, ORF 1 ) ausgestrahlt wird, herrscht seltene Einigkeit. Die Kritik jubelte, das Publikum gab mit hohen Einschaltquoten seine Zustimmung: durchschnittlich 798.000, 30 Prozent Marktanteil. Baier spielt darin - "grandios", befand der KURIER - einen arroganten Primar. An der Seite von Josef Hader, der ihn gemeinsam mit Schalko besetzte. "Ich verdanke ihm wahnsinnig viel", sagt Baier. "Dass er mir diese Chance gegeben hat, gegen viele Stimmen von rechts und links, die gesagt haben, da muss ein professioneller Schauspieler her."
"Wir dürfen um ihn kreisen"Den Erfolg verdanke "Aufschneider" hauptsächlich Hader, glaubt Baier. "Es ist seine Serie, und die Leute schalten wegen ihm ein. Es ist wie das heliozentrische Weltbild. Er ist die Sonne, und wir dürfen um ihn kreisen." Wir: das sind u. a. Ursula Strauss als Frau zwischen zwei Männern (Hader und Baier), Pia Hierzegger als verhaltensoriginelle Jung-Pathologin, Manuel Rubey als gegen den Strich gebürsteter jugendlicher Liebhaber, Georg Friedrich und Raimund Wallisch als kauzige Gehilfen.
In Bregenz probt Baier gerade Franzobels "Die Anstalt oder ein ORFler in der Unterwelt". Auch so ein Schritt weg vom "Image, das ich mir bei kommerziellen Radiostationen eingefangen habe wie einen Herpes-Virus".
Groß ist die Freude über den Aufschneider-Erfolg auch beim ORF. Film- und Serien-Chef Heinrich Mis, auch Redakteur der Produktion: "Ein Programm, das dem Publikum ausgezeichnet gefällt und das man selber von der ersten Sekunde an liebt. Was kann schöner sein?" Was eine mögliche Fortsetzung betrifft, steht zumindest eines fest: Es wird ernsthafte Gespräche geben.
07.04.2010 | 18:46 | PATRICIA KÄFER (Die Presse):
http://diepresse.com/home/kultur/medien/tvkritik/556826/index.do?direct=558209&_vl_backlink=/home/kultur/medien/558209/index.do&selChannel=Hader als "Aufschneider": Ein Grantscherben am SeziertischDer ORF zeigt einen Zweiteiler von David Schalko. Mit Josef Hader als Pathologen im Clinch mit den Mitmenschen und sich selbst. Sehr sehenswert.Wie ein rohes, totes Hendl liegt er da, der Mensch. Wie gerupft. Das Skalpell bleibt aus, im Vorspann zu dem Zweiteiler, den der ORF am Dienstag im Wiener Bellaria-Kino präsentiert hat. Aber die feine Klinge kommt noch: „Aufschneider“, der Film, für den Kabarettist Josef Hader gemeinsam mit Fernsehmacher David Schalko das Drehbuch geschrieben hat; Hader übernahm auch die Hauptrolle, Schalko die Regie. Der ORF zeigt die Produktion am 13. und 16.April (je 20.15 Uhr, ORF1). Diese österreichische Komödie ist eine Freude, wie sie einem das Fernsehen nur selten macht.
Die Figur, um die sich alles dreht, heißt Hermann Fuhrmann (herrlich zwider: Hader) und ist Pathologe. Er sieht auch seine Mitmenschen, selbst die lebenden, als rohe, tote Hendln. Zum Großteil. Ausgenommen sind nur eine Handvoll Frauen: seine Ex (Ursula Strauss), seine Tochter (Tanja Raunig) und seine Kollegin (Pia Hierzegger). Mit dem Rest springt er um, makaber und trocken, wie es ihm passt. Und besonders gerne mit Dr. Böck (Oliver Baier), dem abgehobenen Chirurgen, aber auch nicht nur Gott in Weiß. Täglich versucht Fuhrmann, dem Erzrivalen aus der Spitalsoberwelt einen Kunstfehler nachzuweisen. Vielleicht hat er diesmal einen Patienten „ver-böckt“. Fuhrmann selbst arbeitet im Keller. Dort, unterm Mikroskop, erkennt er z.B. auch: „So ein Krebs hat Spaß bei der Arbeit.“
Hinter der außergewöhnlich amüsanten Befindlichkeitskomödie – Böck schnappt sich Fuhrmanns Exfrau, Fuhrmanns Tochter verliebt sich in den Pathologie-Lehrling (Manuel Rubey) – läuft Handlungsstrang Numero zwei: Die beiden Prosekturgehilfen Max und Moritz (grandios: Georg Friedrich, Raimund Wallisch) verscherbeln gemeinsam mit der Bestatterin (Meret Becker) die Hornhäute Verstorbener ins Ausland.
Pointen im Wordrap
Als österreichische Krankenhausserie war geplant, was sich nun in 188 Minuten als zweiteiliger Fernsehfilm abspielt (und gleichzeitig als Kauf-DVD bei Hoanzl erscheint): Hader hat sich die Rolle auf den Leib geschrieben, ist ein doch sympathischer Grantscherben mit lakonisch-derbem Humor. Mit Schimpfwörtern und Grobheiten, verbalen wie handgreiflichen, spart er nicht. „Werden S' seh'n, jetzt fangt a schöne Zeit an“, lächelt er etwa einem frisch Verwitweten zu. Die Dialoge sind insgesamt sehr wienerisch, knackig und prägnant, teils so knapp, dass sie sich fast zu Wordraps verkürzen. Das und die laufenden Pointen machen gehörig Tempo.
Dienstagabend wurde das Schauspielerensemble als derzeit bestes im deutschsprachigen Raum vorgestellt – man möchte gar nicht widersprechen: Neben dem eben erst für „Ein halbes Leben“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichneten Hader glänzt Strauss, die mit „Schnell ermittelt“ wieder Leichtigkeit und Natürlichkeit in den Mainstream-ORF gebracht hat, wie man sie in den vergangenen Jahren dort vermisst hat. Manuel Rubey, noch vor wenigen Jahren ein eher mittelmäßiger Falco („Falco – Verdammt, wir leben noch“), spielt hier richtig gut. Und heraus ragt auch das von Michael Glawogger („Nacktschnecken“, „Contact High“) etablierte Trio Hierzegger/Friedrich/Wallisch als Stammmannschaft der Pathologie.
Bei der Präsentation im Bellaria-Kino brannte die Lampe im Filmbeamer durch; die Vorstellung wurde abgebrochen. „Das bringt Glück“, tröstete ein Besucher den Produzenten John Lueftner von Superfilm. Davor hat sich das Publikum gut 75 Minuten lang vor Lachen gebogen. Diese „Aufschneider“ brauchen keine Lampe, auch keine Scherben, kein Glück. Sie sind scharf genug.